Kolumne März 2023

Das Rad dreht sich rückwärts!

05.03.23 –

Weltweit werden Errungenschaften in der Rechts- und Gleichstellung von Frauen beschnitten.

Zwei Beispiele: In den USA kippte 2022 der Oberste Gerichtshof das 1973 beschlossene Recht auf Abtreibung.
Vor unserer Haustür betreibt die Türkei eine Kultur der Straflosigkeit gegen Femizide. Der Frauenrechtsplattform „Wir werden die Frauenmorde stoppen!“ droht ein Verbot. Grundlage für diese Entrechtung der Frauen war 2021 der Austritt aus der internationalen Istanbulkonvention, die den Schutz von Frauen vor Gewalt festlegt.

Wir hier haben im Allgemeinen keine Angst um Leib und Leben (113 Femizide gab es allerdings 2021 auch in Deutschland). Hierzulande geht es aber ebenfalls um Existenzangst: zum Abzahlen von Wohneigentum oder auch für die reine Existenzsicherung kalkulieren Familien fest mit zwei Gehältern.
Dreh- und Angelpunkt in diese Abwärtsspirale der Gleichstellung ist die Kinderbetreuung von der Kita bis zur Ganztagesbetreuung, die ab 2026 gelten soll. Der Brennpunkt hierbei ist die aus allen Nähten platzende Pfalzgraf-Rudolf- Grundschule, wo der Betreuungsort im Schuljahr 2023/24 noch völlig unklar ist.

Wegen der Schließung von Kitas und Schulen mussten Frauen während Corona im Beruf massiv zurückstecken.  Corona ist vorbei, aber durch den riesigen Mangel an Erzieherinnen geht es gerade so weiter. In Herrenberg ist die Kitabetreung zwar noch nicht wie in Tübingen auf 13.30 Uhr begrenzt, aber eine Reduktion der Öffnungszeiten ist absehbar.

Die wundersame Vermehrung der Erzieher*innen wird nicht stattfinden und so muss auch Herrenberg in den Wettbewerb einsteigen: mit Finanzanreizen, z.B. einer Vergütung der Azubis schon im ersten Ausbildungsjahr des einjähriges Berufskolleg für Sozialpädagogik für Realschulabsolvent*innen, mit der Entlastung der Erzieherinnen durch vermehrte Einstellung von „helfenden Händen“ als Küchen- oder Anziehhilfen sowie Überlegungen für eine verlässliche Basisbetreuungszeit z.B. von 8 bis 16 Uhr für alle.

Wir haben aktuell ein maximal individualisiertes Angebot an Betreuungszeiten, für das ich mich im Gemeinderat noch mit eingesetzt hatte.  Aber die Priorität ist jetzt, einer möglichst großen Zahl von Frauen (und Männern) eine bezahlte Arbeit zu ermöglichen. Übrigens: da sind nicht nur die Kommunen in der Pflicht – mindestens genauso wichtig ist die Flexibilität der Arbeitgeber*innen und – ihr Papas: mehr Familie, weniger Karriere ist nicht naturgegeben auf die Mütter beschränkt. All das kostet – aber wir können es uns nicht leisten, uns das nicht zu leisten und auf das riesige Fachkräftereservoir bei den Frauen zu verzichten.

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Gleichstellung | Kolumnen | Kommunales

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