25.03.2022

Kolumne März 2022

Dr. Heike Voelker, Co-Vorsitzende der GRÜNEN im Gemeinderat Herrenberg

Zum Klimafahrplan Herrenberg

Wir GRÜNEN könnten es uns leicht machen und dem Klimafahrplan (KFP) zustimmen. Wir werden uns aber enthalten. Warum stimmen ausgerechnet diejenigen, die seit Jahrzehnten mehr Klimaschutz einfordern, nicht zu? Weil der KFP trotz zahlreicher sehr optimistischer Annahmen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% das Pariser Klimaschutzziel erreicht.

Warum ist die Wirksamkeit des vorliegenden KFPs so bescheiden?

Den größten Anteil der Treibhausgas (THG)-Emissionen in Herrenberg hat der Verkehr (39%). Den packt der KFP quasi nicht an. Dann folgen die privaten Haushalte (32%).  Dieser Ball liegt im Spielfeld der Hausbesitzer. Damit zukünftig die Wohnungen ohne Öl und Erdgas geheizt werden, müssen in Herrenberg ca. 4.000 Heizungen klimafit werden. Der Altbau muss Niedertemperatur-ready energetisch saniert werden, Pelletheizungen bzw. Luft-Wärmepumpen, Photovoltaik und Solarthermie installiert werden. Selbst wenn nur mit einem Investitionsbetrag von 40.000€ je Haushalt kalkuliert wird, müssen die Herrenberger Bürger in der Summe über 160 Million € dafür aufbringen - abzüglich möglicher Förderungen. Die Wärmewende ist eine echte Herausforderung! Hier appelliert der Gemeinderat an die Bürger, ihre Häuser zu sanieren.

Die Stadtverwaltung trägt mit ihren Liegenschaften und Handeln nur mit 2% an den lokalen THG Emissionen bei. Die 2% sind das zentrale Argument für ihre ablehnende Haltung, ab sofort alle Vorhaben auf ihre Klimaauswirkung zu prüfen. Der Gemeinderat folgt dieser Auffassung mehrheitlich. Mit diesem Argument kann dann aber auch jeder Altbaubesitzer argumentieren, sein Objekt trägt ja nur mit 0,0x% an den lokalen THG Emissionen bei. Und wie will dann die Stadtverwaltung ihre derzeitigen THG von 6.000 t THG auf 1.511 t THG bis 2030 reduzieren? Das soll ein von den Bürgern finanzierter, kommunaler „Zukunftsfonds“ richten: Bis 2030 mit 10 Mio. €, in der Summe sollen es nach dem KFP 150 Mio. € sein. So ein kommunaler "Zukunftsfonds" ist in dieser Dimension in noch keiner deutschen Kommune vergleichbarer Größe realisiert worden.

Aus Verantwortung für unsere Enkel muss der KFP die Pariser Klimaschutzziele ansteuern. Weil echter Klimaschutz den GRÜNEN am Herzen liegt, werden wir uns bei der Abstimmung zum vorgelegten KFP enthalten. Die Zeiten sind zu ernst, um über die Schwächen des KFPs hinwegzugehen: Denn Energiepolitik und damit auch der Klimaschutz ist auch Sicherheitspolitik.

 

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